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INKLUSION

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Tatsächlich ein Begriff, der noch gar nicht vollständig in der Gesellschaft angekommen ist und einem beim Erwähnen oft auf fragende Gesichter stoßen lässt. Aber vielleicht ist die Begrifflichkeit das eine und das Leben das andere und in dieser Zweisamkeit stellt sich doch recht rasch heraus, dass das Leben mit Sicherheit der größere und wichtigere Aspekt ist.

Heißt, Inklusion zu Leben und damit auch all ihre Herausforderungen zu meistern, aber vor allem in vielen Möglichkeiten von ihr zu profitieren.

Inklusion, und damit bin ich doch wieder bei der Begrifflichkeit, heißt, dass alle Menschen in ihrer Individualität am gesellschaftlichen Leben voll teilnehmen können.

Bammm, diese Aussage hat bei genauerem Hinschauen schon einiges an Intensität. Sie bringt schon viel mit sich und endet in so Gedanken wie, dem Grundrecht auf Arbeit, Barrierefreiheit, …!

Da stellt sich natürlich die Frage, ob der Aufwand lohnt oder ob er nur dem Selbstzweck dient, um uns besser Schlafen zu lassen?!?

Zu dieser Überlegung muss man sich mit Sicherheit die Gruppen ansehen, die im jeweiligen Kulturkreis von dem Thema der Inklusion am stärksten Betroffen sind. Bei uns in Mitteleuropa vermutlich Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit körperlicher oder mentaler Einschränkung, Menschen mit einer anderen Religionszugehörigkeit als der katholischen oder evangelischen, Menschen mit Homosexuellen Neigungen und natürlich Menschen, die eine andere als die „Weiße“ Hautfarbe haben. Ich denke, diese Aufzählung lässt viele von uns aufhorchen, weil mit Sicherheit ein Vielzahl der Leser dieser Zeilen jemanden aus den angeführten „Randgruppen“ kennt und sich jetzt denkt, wo ist das Problem, dieses Menschen bereichern mein Leben.

Aber das Problem der Ausgrenzumg ist definitiv Existenz und auch deshalb so interessant, weil eben jeder von uns Menschen aus den genannten Gruppen kennt und weiß, was sie zum persönlichen Erfahrungsschatz und unserer Entwicklung beitragen können, aber trotzdem lassen wir die Gesamtheit der Gruppen oft nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben und bilden uns ungerechtfertigte Vorurteile (oder oftmals lassen wir uns diese auch bilden und plaudern sie einfach nur nach).

Aber warum tun wir das? Warum sträuben wir uns gegen diese im Einzelfall als Bereicherung angesehene Vielfalt (Diversity) und lassen sie nicht auch in ihrer Gesamtheit zu. Ich spreche nicht von Zulassen im Sinne der Integration sondern im Sinne der Inklusion – nicht nur Menschen hereinlassen (und ich spreche hier nicht von nationalen Grenzen die irgendwann, irgendwer an irgendeinem Verhandlungstische gezogen hat und die unser Leben viel zu oft diktieren, sondern von Gesellschaftlichen Grenzen,) sondern von ihnen profitieren und lernen

Ich bin der festen Überzeugung und das dokumentieren tausende Beispiele, dass wir von jedem Menschen lernen können. Wir müssen nur bereit sein zu zuhören und uns zu öffnen, diese kindliche Neugierde aus uns heraus zu lassen, dadurch viel zu erfahren und somit aus einer vermeintlichen Hilfestellung selbst als Profiteure herauszugehen. Aber am Ende geht es nur bedingt darum, dass wir persönlich als Profiteure aus solchen Begegnungen und Zusammenleben hervorgehen, sondern dass am Ende des Tages die Gesamtheit von uns – unserer Gesellschaft – von dieser Vielfalt profitiert.

Ganz ehrlich, in einem durch die Aufklärung geprägten, offene, liberalen und demokratischen Europa kann es nichts besseres als Vielfalt geben. Also sollten wir sie als Geschenk annehmen und allen Menschen mit Handkuss die Möglichkeit geben voll an unseren gesellschaftlichen Leben teil zu nehmen. Genau das ist es, was unsere Kultur durch Jahrhunderte geprägt hat und diese Jahrhunderte zeigen eindeutig, dass Europa immer dann wohlhabend und stark war, wenn Zeiten der Öffnung und Akzeptanz waren, niemals zu Zeiten der Intoleranz.

Warum liegt mir diese Inklusion so am Herzen?

Ganz klar, weil ich ein Kind der Inklusion bin. Ein Kind, das aus einer komfortablen Situation durch meine Amputation von einer Sekunde auf die Andere in eine „Randgruppe“ gedrängt wurde.

Durch viel an Förderung aber auch persönlichem Einsatz ist es gelungen, wieder zurück in die Gesellschaft zu finden, in dieser voll inkludiert zu leben und auf unterschiedliche Art und Weise meinen Beitrag leisten kann und darf. Genau dieser Weg ist in Bezug auf Inklusion ein interessantes Beispiel um zu erfahren, was an Förderung durch die Gesellschaft notwendig ist und was an Eigenleistung, beginnend mit Resilienz bis hin zu Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, nötig ist, um diesen Schritt zu gehen.

Natürlich ist die Inklusion nicht nur ein gesellschaftliches Thema. Im Gegenteil, sie begegnet uns ständig, ob es in Konzernen ist, oder in kleinen Teams wie Abteilungen. In jeder Einheit gibt es den „Außenseiter“ der am Rand steht und je besser wir mit diesem umgehen, je klarer wir diesen inkludieren, desto besser und wirkungsvoller wird jede Gemeinschaft funktionieren. Nicht nur weil wir Reibungsverluste abbauen, sondern weil wir von Vielfalt profitieren.

Auch wenn Inklusion möglicherweise zu Beginn als Bremse wahrgenommen wird, wird die sich auf Dauer mit Sicherheit als Turbo auswirken!!!