Der Bürgermeister und sein Marathon (Kiew Marathon)

Wenn du im Oktober von Wien aus Richtung Kiew zum dortigen Marathon aufbrichst, dann mag das nicht übermäßig spannend und sexy klingen. Wenn du aber im Vorfeld mit einem mittlerweile in Kiew ansässigen Jugendfreund die eine oder andere Aktion planst und sich herausstellt, dass diese Metropole weit mehr ist, als eine durch den Kommunismus gezeichnete Stadt, dann nimmt die Sache schon mehr an Fahrt auf.

Und so war es, dass die Tage in Kiew aufgrund der Schönheit der Stadt, aber auch der sehr herzlichen Menschen zum herzlichen Erlebnis wurden.

Ein perfekt organisierter Marathon, der aufgrund seiner für einen City Marathon doch vielen Höhenmetern (380hm) seine Herausforderungen hatte und der besonders meine Laufprothesen, und damit auch mich, aufgrund einiger Straßenzüge mit Kopfsteinpflaster (Kopfsteinpflaster ist aufgrund der Unebenheiten der natürlich Feind der Laufprothese) vor Schwierigkeiten stellte.

Aber was soll ich sagen? Wir haben das Ding gerockt, die Stadt bei herrlichem Wetter genossen und durften uns im Ziel bei hervorragendem Bier von unserer Botschafterin Frau Mag. Hermine Poppeller empfangen lassen.

Aber das Wochenende sollte weit mehr als Sport sein. Aufgrund dieser schon angesprochenen Aktionen (mitwirken bei einem Fernsehbericht des Ukrainischen Fernsehens, Treffen mit lokalen Para-Athleten, …) durfte ich am Montag auch den Bürgermeister von Kiew kennenlernen. Der Bürgermeister, der in diesem Fall ein gewisser Vitali Klitschko ist und diese Tatsache hat das Treffen schon zu etwas besonderen gemacht. Es ist einfach ganz besonders, wenn dir dieser Champion gegenüber sitzt und das Gespräch mit den Worten „Weißt du, ich bin ein Champion, aber du, du bist ein großer Champion!“ beginnt. Dann wäre es an dieser Stelle einfach unrichtig zu sagen, dass mir das nicht schon ein wenig die Stimme geraubt hätte.

Besonders nachdrücklich waren aber die Worte, dass Menschen wie ich für sein Land wichtig sind, weil es eben in der Ukraine noch immer kriegerische Handlungen gibt und ständig junge Manschen mit einer körperlichen Behinderung von der Front zurückkehren.

Es sind dann wohl diese Momente die auch einen Marathon und die dort erbrachte Leistung wieder in das richtige Licht rücken und vermutlich auch ein gewisse und nicht zu unterschätzende Dankbarkeit auf den Heimweg mitgeben, dass wir diese unglaubliche Privileg haben, in einem derartig sicheren Land und Umfeld leben zu dürfen!!!

Verbleiben durfte ich mit dem Bürgermeister, dass es vermutlich nicht meine letzten Mal in Kiew gewesen sein wird und wenn er ruft, stehe ich gerne zur Verfügung, ein wenig von dem zurück- und weiter zugeben, was mir eine gelungene Rehabilitation und ein gutes Umfeld in Österreich ermöglicht hat!!!

FORZA!!!

Kiew Marathon:
Datum: 7.10.2018
Distanz: 42,196km
Zeit: 3.49.34


Was macht eigentlich der Kopf …

>> 407k München-Wien Non Stop>> CharityCyclingChallenge2018<<

… wenn du von 4.45 bis 21.00 Uhr am Rad sitzt?

Das ist ja keine uninteressante Frage, die mir schon öfter gestellt wurde. Was denkt man eigentlich bei einem Marathon, bei einem Ironman, … bzw. hat man überhaupt Zeit und Kraft zu Denken?

Die klare Antwort >> JA.

Oftmals hast du mehr Zeit zu Denken, als dir lieb ist. Aber es gibt auch diese Momente, an denen du zu wenig Zeit hast. Zu wenig Zeit, um gute Gedanken zu bündeln und auf den Punkt zu bringen. In diesen Augenblicken habe ich mir schon oft gedacht, jetzt einen Merkzettel schreiben, um diesen Gedanken in einer ruhigen Minute fertig spinnen zu können. Weil es ist schon klar, unendlich Zeit zum Nachdenken hast du auch nicht – in jeder Challenge liegen natürlich diese vielen Punkte, die dich wieder herausreißen, weil sie deine volle Konzentration brauchen. Vermutlich ist es aber genau dieses Wechselbad, das oftmals spannende Überlegungen zulässt.

Jetzt kannst du dir vorstellen – von 4.45-21.00 Uhr – da gibt es genug Überlegungen – manche schön, manche zukunftsorientiert, manch gute Idee und dann halt auch diese „Warum tue ich das eigentlich?“-Gedanken, die dein Gehirn bearbeiten. Wie zum Beispiel in dieser Zeitspanne zwischen Melk und St. Pölten, wenn du bei km 330 merkst, dass die Batterien langsam leer werden und dich nur noch der Gedanke quält, dass du nach St. Pölten willst. Weil ich wusste, einmal in St Pölten, dann habe ich es geschafft. Weil dann lasse ich mir die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Da kann dir der Kopf schon ordentlich einen Streich spielen und dir erklären, dass da nichts mehr geht.

Und dann, weil du mich gefragt hast „Was macht eigentlich der Kopf, wenn du von 4.45 – 21.00 Uhr am Rad sitzt“, genau dann, braucht es deine Seele oder nenne es auch gerne deinen Willen. Eine Seele voll mit Leidenschaft, eine Seele voll mit „ich will es“, weil dann kannst du den Kopf, über den du mich gefragt hast was er eigentlich an einem solchen Tag macht, überlisten. Du kannst die Logik, die dir natürlich sagt, wie irrational dein Vorhaben ist und was alles nicht geht – und hey, wir sind Österreicher, wir wissen am besten was alles nicht geht! 😉 – überwältigen und kannst ihr beweisen – Logik ist gut, aber Leidenschaft ist stärker!!!

Und so haben wir wohl alle, vermutlich jeder zu einem anderen Zeitpunkt, unseren Kopf überlistet, ihn mit Leidenschaft betäubt und sind mit sehr stolz geschwellter Brust um 21.00 Uhr an der Ortstafel Wien vorbeigefahren, um wenige Kilometer später am Zielort Wien – Colony Club (Hütteldorf) erschöpft vom Rad zu fallen, uns zu umarmen, fallen zu lassen und zu wissen, wir haben uns bewiesen, was tatsächlich alles geht und wir haben mit der Hilfe der unglaublichen CharityCyclingChallenge Gemeinschaft dem kleinen Johannes einen neuen Buggy und mehrere Therapieeinheiten aufgestellt.

Jetzt wird er uns beweisen – auf einem viel schwierigeren Weg als der unsere von München nach Wien war – dass der Wille Berge versetzt und dass er seinem Traum, selbstständig stehen und gehen zu können, wahrmachen wird.

FORZA!!!

Ironman-Zeit in Klagenfurt

Nach 2014 und 2016 wieder am Start auf der Langdistanz in Klagenfurt.

… und es ist immer wieder ein Sprung ins Ungewisse, weil dir dein Kopf immer den selben Streich spielt und nur die schönen Erinnerungen in Gedächtnis bleiben. Auch wenn dir das bewusst ist und du auch diese zähen und harten Momente versuchst abzurufen, neigst du doch dazu sie durch erfreuliche zu überblenden. Aber vielleicht muss es auch so sein, ansonsten würde man sich wohl eher nicht für einen weiteren Ironman anmelden.

Dann stehst du am Start, nach einer langen Vorbereitung und denkst dir, es wird wohl wieder dieser lange Tag und das eine war mir bewusst, das Radfahren gehört bewältigt, das war immer und wird es wohl auch bleiben – meine schwächste Disziplin. Daher war mein Fokus schon sehr stark auf diese 180km gerichtet und alles was auf dieser Strecke an Schmerzen und Überwindung auf mich zukommen wird.

Also, ab ins Wasser und die 3,8km Runde mit Ausstieg am Lendkanal (Seeparkhotel Lindner). Nach 1.10h war es geschafft und es ging auf zum Zeitrad, das geduldig in der Wechselzone wartete und bereit war, mit mir Zeit zu verbringen.
Alles passierte wie „geplant“, die erste 90km Schleif verlief gut und dann wurde es zäh und der leichte Wind tat sein übriges um mich mürbe zu machen. Da sind es dann die kleinen aber schönen Momente, wie den lieben Jochen Gold beim zweiten Mal Rupertiberg zu treffen, der mir mit seinem Anspornen und Lächeln Kraft für die letzten Kilometer gab!

Nach 6.19h war es Zeit das Rad abzugeben und die Blades (Laufprothesen) anzuziehen und in die letzte Disziplin zu starten. Das Laufen, eigentlich der Split auf den ich mich am meisten freue, begann schon zäh und zu oft war in meinem Kopf, dass 42,2 km schon noch recht weit sind.
Dann kam aber dieser magische Moment! Beim erstmaligen Durchlaufen des Zielgeländes und genau dann dieses Lied – Imagin Dragons, It’s time, ein Lied das beim Video über die CCC Wien-Barcelona vorkommt und somit eine extrem schöne und emotionale Erinnerung, weckte und ich dachte mir, ja ich will heute noch weinen, ich will in dieses Ziel kommen. So machte ich mich mit meinen restlichen Kräften auf, die ausständigen 38km zu laufen, was im Großen und Ganzen gut gelang.

Nach 4.09h und gesamt 11.58h war es dann Zeit die Ziellinie zu überqueren, sich auf eine Bank zu setzten, die Hände vor die Augen zu schlagen und zu weinen. Ein Weinen mit den Gedanke zu dem Vollbrachten und mit der großen Freude, dass ich so etwas machen kann und darf. Denn diese Moment sind die entscheidenden und müssen genutzt werden, um in die nötige Demut zu fallen und sich bewusst zu machen, was für ein Privileg es ist, solche Dinge rocken zu dürfen und der geneigte Leser meiner Zeilen und Berichte weiß und kann sich vorstellen, dass dies in meinem Leben nicht immer möglich war. Daher ist genau in diesen Augenblicken, die zu erlebende Dankbarkeit eine große, die mir immer wieder diese ganz besonders schönen Tränen schenkt, die so voll Kraft für neue Taten haben!!!

Und schon lustig – jetzt sind ein paar Wochen vergangen und ich sitzt hier, schreibe diese Zeilen und denke mir, eigentlich war es wieder ein geiler Tag und ich suche fast schon vergebens nach den Härten und Zähheiten des Ironman, weil da sind schon wieder fast nur positive Erinnerungen.

Womit fest steht, die Ironman Reise ist noch nicht zu Ende!!!

FORZA!!!

Ironman Austria (Klagenfurt), 1.7.2018:
Swim (3,8km): 1.10.45h
T1: 9.58min
Bike: 6.19.21h
T2: 8.34min
Run: 4.09.40
Total: 11.58.17

Auf den Spuren meiner ersten Halbdistanz …

 

2010 habe ich an dieser Stelle meinen 1. Halbironman gefinisht.

Ich kann mich noch erinnern als ob es gestern gewesen war.

Warum?

Weil es für mich ein mega Erlebnis war. Es war damals und besonders rückblickend betrachtet soviel mehr als ein einzelner Wettbewerb. Es war die Krönung vieler anderer Aktivitäten. Nicht nur der Höhepunkt nach hartem Training und einer großen mentalen Leistung, die ich mir damals noch nicht so richtig vorstellen konnte, sondern auch ein so wichtiger Schritt in meinem Leben und in meiner Entwicklung.

Das besondere an dem Erlebnis war auf der einen Seite natürlich der Tag selber und die Tränen, an die ich mich noch so gut und so gerne erinnere, die ich auf den letzten Streckenabschnitt neben der Traisen vergossen habe. Auf diesen letzten Kilometern, als mir klar wurde, dass ich es schaffen und das ich in wenigen Minuten die Ziellinie überschreiten werde und ein Projekt beende, von dem ich nicht immer überzeugt war, dass ich es wirklich schaffen kann.

Aber das war nur die eine Seite.

Viel größer war diese Selbstbestätigung, die ich durch diesen Tag im Frühjahr 2010 erfahren durfte. Diese Bestätigung, die mir so extrem viel gegeben und mich soviel gelehrt hat. Diese Bestätigung was alles möglich ist, dass du alles erreichen kann, trotz suboptimaler Voraussetzungen, wenn man es will und wenn man bereit ist dafür über Grenzen zu gehen. Grenzen, die man sich sehr oft selber setzt, aber auch Grenzen die dir von deinem Umfeld, oftmals unbewußt und nicht bösartig,  gesetzt werden.
Dieses verstehen Lernen, was Leidenschaft bedeutet und wie sehr sie Leiden schafft, die man aber aufgrund ihrer Größe gerne bereit ist zu ertragen, um dann irgendwann an einem ganz besonderen Punkt in seinem Leben anzukommen.

Es war für mich ein ganz großes Statement, das ich für mich selber gesetzt habe und das mir erst in Folge in seiner ganzen Tragweite bewusst wurde.

Und so war dieser Tag tatsächlich eine besonderer Punkt in meinem Leben. Ein Punkt an dem ich nicht nur in St Pölten eine Ziellinie überschritt, sonder vielmehr in meinem Leben eine ganz bedeutende Grenze durchbrach, die mir die Jahre davor sehr viel an Einschränkung gebracht hat und die ich in diesem Moment förmlich sprengte und tatsächlich in Folge viele Dinge in meinem Leben, die in ganz konkreter Verbindung mit meiner körperlichen Einschränkung oder einfach Behinderung stehen, viel entspannter sehen konnte und diese Grenze für immer hinter mir ließ.

Es war auch der Zeitpunkt als ich zu verstehen begann, warum gewisse Dinge sind wie sie sind und das es gut ist, wie es ist, weil es anders gar keinen Sinn machen würde.

Also tatsächlich ein großer und wichtiger Tag und sich acht Jahre danach wieder auf dessen Spuren begeben zu dürfen ist gleichermaßen schön wie bewegend und so wurde auch der 70.3 St Pölten 2018 ein schöner und beeindruckender Event und ließ in mir die Vorfreude auf den 1.7.2018 – Ironman Austria (Klagenfurt) steigen und er lies mich auch diese eine ganz besondere Träne am letzten Laufkilometer genießen – weil sie einfach nur eine schöne Träne war.

Klagenfurt ich komme – FORZA

27.5.2018, 70.3 St Pölten (Halbironman)
1,9km swim: 40,03min
90km bike: 3.13.03h
21,1km run: 1.47.29h
T1: 6.37min
T2: 7.19min

VCM Wochenende 2018

Auch im heutigen Jahr hieß VCM Wochenende nicht nur am Sonntag den Marathon zu laufen, sondern gemeinsam mit Coca-Cola am Samstag auch den Coca-Cola Inclusionrun zu organisieren und zu laufen.

Wir wollten wachsen und auf dem 2017 Gezeigten aufbauen und uns entwickeln. Ich meine, das ist gelungen!!!

Im letzten Jahr waren wir knapp 100 Teilnehmer und heuer haben wir die 400er Grenze weit überschritten, viel an positivem Feedback erhalten und extrem viele und fröhliche Gesichter gesehen.

Wir alle haben gezeigt, wie viel Spaß es macht Sport gemeinsam zu betreiben und haben bewiesen wie sehr Sport Grenzen überwinden kann und wie er die Vielfalt der Teilnehmer mit ihrer gesamten Individualität zu einem gemeinschaftlichen Ganzen werden lassen kann.

Und als ich dann sehr glücklich als einer der letzten das Ziel verlassen wollte, machte mich ein Freund darauf aufmerksam, dass noch ein Racerunner unterwegs war. Racerunner, sind diese unglaublichen Athleten, die mit starkem Handicap, gestützt auf einen dreirädrigen Rollator ihre Wettkämpfe beschreiten. Menschen die unglaubliche Leistungen bringen um Distanzen wie in unserem Fall von 1km zu schaffen.

Dieser Sportler näherte sich unter Einsatz seiner ganzen Kraft von seinem Vater begleitet dem Ziel. Es waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viele im Zielgelände, eigentlich nur noch Streckenarbeiter, die für den Sonntag herrichteten und einige ORF Techniker. Aber innerhalb dieser kleinen Gruppe entwickelte sich eine Dynamik des Anfeuern, alle ließen ihre Arbeit stehen und feuerten aus vollem Herzen diesen jungen Burschen an, der nach tollem Kampf die Ziellinie überquerte. In diesem Moment stürmte seine Mutter über eine Absperrung und umarmte Ihren Sohn so unglaublich stolz. In diesem Augenblick drehte ich mich zu einem neben mir stehenden ORF Mitarbeiter um und wir hatten beide Tränen in den Augen.

Ein unglaublich schöner Moment! Oder nein, in Wirklichkeit ein magischer Moment!!!

Ich durfte in Folge erfahren, dass dieser junge Mann seinen ersten Kilometer gelaufen war. Normalerweise läuft er maximal 400 Meter!!!

Was soll ich sagen? Mit solchen Bildern vor Augen und mit solchen Emotionen im Herzen, wurde der Marathon am Sonntag zum Fest und zur wiederholten Bestätigung, was uns Sport und besonders gelebte Vielfalt geben kann und wie sehr sie uns inspiriert und Kraft verleiht.

Dass ein Marathon-Ziel immer etwas schönes ist, etwas das man es sich hart erarbeiten muss, wissen wir alle und auch im heutigen Jahr war es so und die Ziellinie vor dem Burgtheater wurde für mich zu meiner ganz persönlichen festlichen Bühne, einer die aber nur deshalb so festlich war, weil ich wusste, dass ein ganz besonderer Mensch diese Bühne bereits am Samstag gerockt hatte und es mir eine Ehre war, ihm zu folgen!!!

FORZA!!!

Ergebnis: 42,195km – 3.26.50h

 

Vorbereitung auf den VCM

Fast schon traditionell habe ich mich auch heuer mit der Winterlaufserie II (21,2km), der Winterlaufserie III (28km) und dem Wien Energie Halbmarathon auf den Vienna City Marathon vorbereitet.

Winterlaufserie II, 11.2.2018, 21,1km, 1.35.02
Winterlaufserie III, 11.3.2018, 28km, 2.13.35
Wien Energie Halbmarathon, 8.4.2018, 21,1km, 1.32.58

Alles bereit für den VCM!!! FORZA!!!